| |
Baum- und Sträucherkunde am 02.07.2005
im Bruggwaldpark St.Gallen
Baum- und Sträucherkunde 02.07.05
Der Sommer dieses Jahr zeigt ein vielfältiges Gesicht; kühl, nass, sehr heiss.
Für unseren Rundgang ist uns Petrus wohlgesinnt und schenkt uns einen warmen und trockenen Nachmittag.
9 Personen und unsere Leitung treffen sich auf dem Parkplatz des futuristischen Abacus-Gebäudes in Kronbühl-Wittenbach. Abacus hat sich über mehrere Jahre als Software-Entwickler (Buchhaltung etc) behaubtet und wurde letztes Jahr als „Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet. Die grünblaue, technische Glasfassade des Gebäudes setzt einen spannenden Kontrast durch die Spiegelung der Bäume mit der Natur. Wir befinden uns damit auf dem ehemaligen Ziegeleiwerk resp. Lehmabbaugebiet der Zürcher-Ziegeleien.
Wir spazieren in den nahegelegenen Bruggwald, geführt von Christof Kuhn. Christof ist Forstingenieur und seit über zwanzig Jahren Leiter der Forstbetriebe der Ortsbürgergemeinde. Der Bruggwald ist im Eigentum der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, politisch jedoch auf Boden der politischen Gemeinde Wittenbach. Der Name des Waldes, so wird vermutet, komme von „Holzbrücken“ entlang des bedeutenden Konstanzerweges. Dieser verband die Klöster St. Gallen und Konstanz und ist heute noch/wieder als Weg durchgehend ausgeschildert. Unter Holzbrücken muss man sich eine Bodenverbesserung mit Holzbrettern und Baumstämmen vorstellen, damit im stark lehmhaltigen Boden des Bruggwaldparkes der Weg für Fuhrwerke brauchbar wurde.
Ich finde diese Einführung höchst spannend, wohne ich doch ganz in der Nähe.
Nun geht’s aber zur Sache. Kundig werden uns die wichtigsten Bäume erläutert und auf deren Eigenheiten hingewiesen. So wurde beispielweise die Eibe in früheren Jahren systematisch ausgeforstet, weil Pferde Aeste frassen und gesundheitliche Probleme bekamen. Heute hat die Eibe Mühe zu wachsen, da sie als Jungpflanze beliebte Nahrung für die Rehe ist. Rottannen/Fichten wurden, als weiteres Beispiel, früher im grossen Stiel gepflanzt resp. gefördert. Sie sind sog. Flachwurzler. Überhaupt, so die Hinweise von Christof, sind Tannen so „programmiert“, dass sie nur so lange Wurzeln machen, bis sie ausreichend Standfestigkeit haben und genügend Nahrung aufnehmen können. Ob das nun als Faulheit oder Geschick zu bezeichnen ist, bleibt der eigenen Wertvorstellung überlassen.
Weitere interessante Hinweise und Bemerkungen folgen und (mindesten für mich) bekommt der Wald wieder ganz neue Betrachtungsaspekte.
Wer jetzt glaubt, mit einem geführten Spaziergang sei der Nachmittag vorbei, irrt. Christoff verteilt Bestimmungsbüchli und sendet und in Kleingruppen aus um selber Bestimmungsübungen vorzunehmen. Mit kleinen Zweigästen tragen wir anschliessend einen kleine Ausstellung zusammen und beschriften diese. Für die Bestimmung dienen uns Abbildungen von Zweigen, anhand derer wir mit Blattform, Blattstellung und dergleichen die richtige Baumart heraussuchen. Ganz knifflig – ist es der oder der Baum??
Selber bestimmen – das kennen wir von den Pilzen – ist eine weitaus grössere Herausforderung als eine Erklärung oder Bestimmung erzählt zu bekommen.
Rund eineinhalb Stunden sind wir unterwegs, die Zeit verging im Nu.
Ich möchte in Namen der Teilnehmer und unseres Vereines an dieser Stelle Christof nochmals einen ganz herzlichen Dank aussprechen.
Helena Fehr, Präsidentin „Verein für Pilzkunde St. Gallen“
|